Buxtehuder Jugendleiter erneut in Israel – Fachkräfteprogramm setzt starkes Zeichen des Zusammenhalts

Besuch von Gemeindezentren in Netanya - hier passiert Jugendarbeit und noch viel mehr - Foto: SJR
Besuch von Gemeindezentren in Netanya - hier passiert Jugendarbeit und noch viel mehr - Foto: SJR

Acht Jugendleiterinnen und Jugendleiter aus Buxtehude reisten im November zu einem fünftägigen Fachkräfteprogramm nach Netanya, Israel. Die Delegation der Ehrenamtlichen des Stadtjugendrings (SJR) traf dort auf hauptamtliche Mitarbeitende der Partnerorganisation Matnasgan Community Centers East Netanya. Es war das erste persönliche Wiedersehen seit dem 7. Oktober 2023 – ein Moment, der für beide Seiten von großer Bedeutung war. „Unser Besuch ist ein sichtbares Zeichen der Verbundenheit und des gemeinsamen Willens, den deutsch-israelischen Austausch fortzuführen“, erläutert SJR-Vorsitzender Achim Biesenbach.

 

Einblicke in Jugendarbeit und gesellschaftliche Realität

Das Programm bot Einblicke in die umfangreiche Arbeit der Gemeindezentren: von Kinderbetreuung bis Erwachsenenbildung, von Tanzen bis Singen, von Jugendclubs bis Seniorentreffs deckt ein Gemeindezentrum in Israel üblicherweise eine Bandbreite an Angeboten ab, die in Deutschland meist über unterschiedliche Träger angeboten werden. Besonderen Eindruck hinterließ das Hephzibah Community Center, das in einem Stadtteil mit hohem Anteil an äthiopisch-jüdischer Bevölkerung steht und äthiopische Kultur in die Angebote integriert.

 

Bedrückende Situation: Das Gelände des Nova Festival ist heute ein Ort des Gedenkens - Foto: SJR
Bedrückende Situation: Das Gelände des Nova Festival ist heute ein Ort des Gedenkens - Foto: SJR

Ein prägendes Element der Reise war ein ganztägiger Ausflug ins Grenzgebiet zum Gazastreifen. Bei der Polizeistation Sderot, dem Kibbuz Kfar Azza, dem Burnt Vehicles Parking Lot bei Tkuma und dem Gelände des Nova-Festivals erhielt die Gruppe unmittelbare Eindrücke des Massakers vom 7. Oktober 2023. Begleitet von einer Reiseleiterin, die selbst Freunde verloren hat und nur durch Zufall nicht beim Nova-Festival war, erlebte die Austauschgruppe einen emotional intensiven und herausfordernden Tag. Über Leben und tragischen Tod am Ort seiner Ermordung von einem Menschen erzählt zu bekommen, wirkt lange nach und beschäftigt die Teilnehmenden über das Programm hinaus. „Die Orte des 7. Oktobers 2023 mit eigenen Augen zu sehen, Gespräche mit Überlebenden und Hinterbliebenen zu führen – diese Momente haben uns tief bewegt“, erläutert Anna Bundt, langjährige Austausch-Begleiterin und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Buxtehude.

 

 

Gemeindezentrum Hephzibah: Äthiopischer Kaffee aus frisch gerösteten Bohnen - Foto: SJR
Gemeindezentrum Hephzibah: Äthiopischer Kaffee aus frisch gerösteten Bohnen - Foto: SJR

Begegnungen, die verbinden

Anlass für den Austausch war das jährlich stattfindende „Global Shabbat Dinner“ im Gemeindezentrum, bei dem religiöse und säkulare Familien miteinander speisen und ins Gespräch kommen – was im Alltag sonst eher nicht geschieht. Die anschließende moderierte und kontrovers geführte Diskussion über religiöses Leben im öffentlichen Raum zeigte den deutschen Teilnehmenden die Vehemenz dieses innenpolitischen Diskurses.

 

Auch die freien Zeiten nutzten insbesondere die jüngeren Delegationsmitglieder, um ehemalige israelische Teilnehmende früherer Jugendaustausche wiederzusehen. Diese Gespräche boten unmittelbare Einblicke in die Lebensrealitäten junger Israelis, insbesondere weil viele der Austauschpartner und -partnerinnen zurzeit ihren 2- bzw. 3-jährigen Wehrdienst absolvieren.

 

Gemeinsame Planung des Austauschs 2026

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Weiterentwicklung des Jugendaustauschs. In Workshops reflektierten beide Seiten die bisherigen Programme, überprüften Ziele und planten die nächsten Schritte. Für Mai 2026 ist der Gegenbesuch der israelischen Fachkräfte in Buxtehude in Vorbereitung. Im Sommer 2026 ist zudem erneut ein Jugendaustausch mit Schülerinnen und Schülern des Gymnasium Süd beabsichtigt. „Gerade in schwierigen Zeiten zeigt sich, wie ernst wir es mit der Völkerverständigung nehmen – daher setzen wir uns gerade jetzt für den deutsch-israelischen Austausch ein“, so Achim Biesenbach.

 

Israel-Austausch seit 10 Jahren

Den Israel-Austausch nach Netanya, einer rd. 200.000 Einwohner zählenden Großstadt an der Mittelmeerküste, organisiert der Stadtjugendring Buxtehude e.V. (SJR) in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft Buxtehude der Deutsch-Israelischen Gesellschaft e.V. (DIG) sowie dem Gymnasium Buxtehude Süd. Der Austausch wird vom Koordinierungszentrum Deutsch-Israelischer Jugendaustausch (ConAct) sowie der Stadtjugendpflege Buxtehude gefördert.